Der agile Coach ist verantwortlich für den Breath of Life

Werden agile Methoden in der Softwareentwicklung angewandt, dann gibt es eine wichtige Konstante – den Umgang mit Zeit. Scrum lebt von den Timeboxen, den Sprints. Weiter ist es sehr wichtig, dass das Scrumteam (Developement Team, Scrum Master, Product Owner) nicht mehr als 8 Stunden am Tag arbeitet. Ansonsten verschlechtert sich die Velocity durch Überstunden zusehends, wie dies Graik 1 verdeutlicht.

Velocity mit Überstunden
Kobald Agile Expert & IT-Projects, 2017

Im Scrumprozess werden sequenzielle Ziele in einer definierten Zeitperiode verfolgt. Tatsächlich führt laufende Überlastung durch Überstunden nicht zur zu Unzufriedenheit, sondern Überstunden bewirken genau das Gegenteil – sie bremsen die Produktivität.

Jeff Sutherland geht in seinen Überlegungen einen Schritt weiter und sieht Zeitverschwendung sogar als ein ethisches Verbrechen an. Sutherland meint diesbezüglich: „Time makes up your life, so wasting it is actually a slow form of suicide.“ Natürlich geht es darum schneller und somit billiger in einem Produktionssystem zu sein. Gleichzeitig ist eine bewusste Zeiteinteilung ein wichtiger Aspekt des Selbstmanagements. Zeit macht nicht nur unser Arbeitsleben, sondern auch unser Privatleben aus. Daher ist es im Scrumframe so wichtig die Arbeitszeiten von acht Stunden pro Tag einzuhalten. Andererseits nimmt nicht nur die Produktivität, sondern auch die Lebenszufriedenheit drastisch ab. Glücklichere Menschen sind nicht nur zufriedenere, sondern auch produktivere Menschen. Die Grafik weiter unten gibt das Umfrageergebnis einer weltweiten Studie aus dem Jahr 2013 wieder.

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Zeitliche Rhythmen beherrschen unser Leben. Wir Menschen benötigen für ein gesundes Leben auch ein bestimmtes Maß an rhythmischen Mustern. Unser Job wird etwa davon bestimmt für acht Stunden in einem bestimmten Rahmen eine Leistung abzuliefern. Tut man gerne was man tut, dann ist der Job erfüllend. Aber sehr häufig sind Menschen im Job tiefunglücklich, was an der Kehrseite der Medaille liegt, nämlich den krankmachenden Rhythmen der Arbeitswelt. Diese sind von Zwängen, Unzufriedenheit, Überforderung, usf. geprägt. Scrum hingegen geht davon aus, dass es mit den richtigen rhythmischen Mustern nicht nur gelingt die Produktivität in der Produktentwicklung im Vergleich zu herkömmlichen Methoden zu erhöhen, sondern Scrum möchte die Menschen in ihrem Tun glücklicher machen. Um noch einmal Jeff Sutherland zu Wort kommen zu lassen: „What Scrum does is create a different kind of pattern. It accepts that we’re habit-driven creatures, seekers of rhythm, somewhat predictable, but also somewhat magical and capable of greatness.“

Der Breath of Life

Diesbezüglich ist es eine der zentralsten Aufgaben des agilen Coach die Zeit auch als das zu sehen, was sie ist, der Breath of Life. Nur wer seinem Team selbst vorlebt, wie persönliches Zeitmanagement funktioniert, wird auch seine agilen Teams davon überzeugen können. Werden die acht Stunden konsequent eingehalten, bleibt die Velocity auf einem sustainable path. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass Teammember diesen Rythmus wirklich als gut für die Arbeit und gut für sich selbst sehen. Muss dann tatsächlich mal ein Tag eingeschoben werden, bei dem zehn Arbeitsstunden anfallen, merkt man das körperlich und geistig tatsächlich sofort. Kommt man nächsten Morgen in den Teamraum, merkt man irgendwie, dass die Energie nicht ganz so gut ist wie sonst. Fragt man nach meinen die Teammembers schlichtweg, dass sie heute etwas müdes seien, da es gestern so lange dauerte.